sternchen Kinderkrippen
Bildung von Anfang an! – Kinder brauchen gute Krippen
Warum Daimler es richtig macht, kluge Köpfe von klein auf zu fördern.
 
 
Ilse Wehrmann, pädagogische Beraterin der Daimler AG für den Aufbau betriebsnaher Kinderkrippen
Ein Automobilkonzern baut Kinderkrippen - ist das nicht gerade in Krisenzeiten verzichtbar? Warum engagiert sich die Daimler AG für frühkindliche Bildung und investiert in Erziehung, Förderung, Bildung und Betreuung unter dreijähriger Kinder von Mitarbeitern an allen deutschen Standorten namhafte Summen? Wäre dieses Geld nicht besser im Kerngeschäft investiert, beispielsweise in Forschung und Entwicklung oder den Ausbau moderner Produktionstechnologien zur weiteren Effizienzsteigerung?
Daimler handelt nachhaltig, indem das Unternehmen zukunftsweisende Akzente über den Tag und die Krise hinaus setzt. Die Aktivitäten bei betriebsnahen Krippenplätzen werden sowohl von der Politik, als auch in der Wirtschaft genau beobachtet. Denn klar ist: Kinder sind unsere Zukunft, Bildungsprozesse müssen von Anfang an professionell und durch eine hochwertige Bildungsinfrastruktur begleitet werden, sonst verschenken wir (zu) viel vom wichtigsten und einzigen Zukunftspotenzial, das unsere Gesellschaft hat.
Doch auch in der kurz- und mittelfristigen Perspektive sind die Entscheidungen von Daimler richtig: Wie kann der berufliche Wiedereinstieg der hochqualifizierten Ingenieurin nach einer möglichst kurzen Babypause ermöglicht werden, damit ihr Know-how dem Entwicklungsteam nicht verloren geht? Nach einer zwei- oder gar dreijährigen Familienpause ist der berufliche und fachliche Zug für sie längst abgefahren. Aber auch: Wie kann der junge Betriebswirt im Marketing seinen Wunsch nach einer Familie erfüllen, ohne auf seine Karriere verzichten zu müssen?
Wir haben in Deutschland zu lange an einem überholtem Mutter- und Familienbild festgehalten. Im Ergebnis stehen wir derzeit vor einem massiven Vereinbarkeits- und Bildungsproblem. Viele junge Menschen müssen sich zwischen Karriere oder Familie entscheiden - die Entscheidung fällt gerade bei Akademikern oft gegen Kinder aus. Seit Mitte der 1970er Jahre liegt die Geburtenrate in Deutschland im Schnitt bei nur noch 1,4 Kindern pro Frau.
90 Prozent der bei einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) befragten Männer wünschen sich am Arbeitsplatz Maßnahmen, die ihnen mehr Zeit mit der Familie im Sinne einer „aktiven Vaterschaft" ermöglichen. Aber nur drei Prozent der berufstätigen Väter gaben an, dass sie am Arbeitsplatz ausreichend Unterstützungsangebote zur Kinderbetreuung vorfinden.
Dieses Bild bestätigt auch eine Studie von Arbeitswissenschaftlern der Ruhr Universität Bochum und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Dabei zeigte sich, dass für die meisten nicht die klassische Karriere mit möglichst schnellem Aufstieg oder viel Personalverantwortung zu einem gelungenen Berufsweg zählt. Eine erfolgreiche Karriere sei vielmehr diejenige, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleiste. Ganz besonders stand die „Work-Life-Balance" für die jüngeren, überwiegend männlichen Befragten im Zentrum.
84 Prozent der Top-Manager sind laut Capital-Elite Panel (2007) davon überzeugt, dass Familienfreundlichkeit ein Wirtschaftsfaktor für den Standort Deutschland ist. 71 Prozent der Unternehmen sehen einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2008 zufolge eine Mitverantwortung, ihren Beschäftigten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.
Insofern befindet sich Daimler mit seinen Krippen-Aufbauentscheidungen für alle deutschen Standort in gutem Fahrwasser und zeigt sich als zukunftsfähiger Arbeitgeber mit innovativer Personalpolitik. Um künftig angesichts des sich immer deutlicher abzeichnenden Fachkräftemangels qualifizierte und motivierte Kräfte an das Unternehmen zu binden, ist „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ein entscheidender personalpolitischer Motivationsfaktor.
Angesichts des Schneckentempos, in dem sich der Ausbau der öffentlichen Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur voran quält, nehmen immer mehr Wirtschaftsunternehmen das Heft des Handelns selbst in die Hand. Und sie tun gut daran: Insgesamt müssten die alten Bundesländer ihr bisheriges Ausbautempo verdoppeln, wollten sie, wie vom Kinderförderungsgesetz vorgesehen, bis zum Jahr 2013 Betreuungsplätze für 35 Prozent der unter Dreijährigen anbieten. Dies geht aus dem „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009" der Bertelsmann Stiftung hervor.
Selbst wenn bis 2013 jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Krippenplatz erhalten sollte, sind wir in Deutschland von einer bedarfsgerechten Versorgung meilenweit entfernt. Die gegenwärtige politische Diskussion um ein Betreuungsgeld versucht, die Entwicklung wieder zurückzudrehen: Die öffentliche Hand soll in Individualleistungen statt in eine gute Bildungsinfrastruktur investieren. Angesichts von Bildungsvergleichsstudien wie PISA, IGLU & Co. eine fatale Entwicklung, die sowohl sozial- wie bildungspolitisch zu weiteren gesellschaftlichen Verwerfungen führen dürfte. Eine „Herdprämie“ in einem Land, das keine Rohstoffe hat, wirkt fatal: Denn unser einziger Rohstoff ist Bildung. Deshalb muss in eine verbesserte Infrastruktur investiert werden, damit wir als Hochlohnland unabhängig und wettbewerbsfähig bleiben können. Doch das Gegenteil ist leider zu beobachten: Der frühkindliche Bildungsbereich wird vernachlässigt, weil es sich noch immer um freiwillige Leistungen des Staates handelt, für die es keine bundeseinheitlichen, verbindlichen Qualitäts- und Ausstattungsstandards gibt.
Nicht nur am Stammtisch, sondern auch in der pädagogischen Fachwelt ist angesichts der Bildungsdiskussion in Deutschland auf Ebene der Politik Verzweiflung eingekehrt. Wir haben hierzulande kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Obwohl man angesichts der Rücksteuerung auf familienpolitische Individualleistungen (Betreuungsgeld, Kindergelderhöhung) auch Zweifel daran bekommt, ob Bildungs- und Sozialpolitiker tatsächlich das Ausmaß des Bildungsnotstandes erkannt haben. Eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat erst jüngst wieder belegt, dass sich staatliche Bildungsinvestitionen im frühen Kindesalter auszahlen. Am stärksten profitieren von höheren Investitionen im frühen Kindesalter sozial benachteiligte Kinder.
Eine aktuelle Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung beziffert langfristige Erträge einer Bildungsreform auf 2,8 Billionen Euro in den kommenden achtzig Jahren, der Lebensspanne heute geborener Kinder. Umgekehrt betrachtet: Dieses Wachstumspotenzial verschenken wir, wenn wir bildungs- und finanzpolitisch nicht nachhaltig umsteuern. Augenblicklich scheint sich die Politik eher auf milliardenschwere Bankenrettungs- sowie Konjunkturpakete zu beschränken.
Zu den unzureichend gebildeten „Risikoschülern" zählen in Deutschland rund 20 Prozent aller Fünfzehnjährigen. Gemäß den PISA-Studien können sie höchstens auf Grundschulniveau lesen und rechnen und haben deshalb beim Eintritt in die Berufstätigkeit erhebliche Probleme. Statt spät zu lamentieren und teure „Reparaturversuche“ zu unternehmen, sollte rechtzeitig in eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildungsinfrastruktur investiert werden. Auch Deutschland muss endlich auf das von der OECD empfohlene Finanzierungsniveau für frühkindliche Bildung aufschließen: Statt 0,5 Prozent sollte diese Zukunftssicherung durchaus ein Prozent unseres Bruttoinlandproduktes (BIP) wert sein.
Doch nicht nur ökonomische Überlegungen sprechen für mehr Engagement in der frühkindlichen Bildung. Die moderne Hirnforschung belegt: Nie wieder lernen wir so intensiv wie in den ersten Lebensjahren. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen sind deshalb stärker von Schulversagen und späterer Arbeitslosigkeit bedroht als ihre Altersgenossen in einem Umfeld, in dem sie adäquat gefördert werden und Anregungen für ihren Bildungsprozess bekommen. Frühkindliche Bildung legt zudem die Grundlage für spätere Lernprozesse. Wir fokussieren uns in der Bildungsreformdiskussion viel zu stark auf die Hochschulen. Eine solide Bildungspyramide muss vom Kopf auf die Füsse gestellt werden. 
Daimler hat mit den „sternchen" sein Aufbauprogramm für den Bildungsstandort Deutschland begonnen.
Noch immer entscheiden die Finanzkraft der Kommunen und die Einsichtsfähigkeit von Bürgermeistern und Kommunalpolitikern über die Bildungschancen von kleinen Kindern. Die föderale Struktur führt in einer globalisierten Welt zu bildungspolitischem Partikularismus: Der Bund macht die Gesetze, die Länder entscheiden über deren Ausführungsbedingungen und letztlich müssen die finanziell hochverschuldeten Kommunen die Vorgaben umsetzen und mit finanzieren. Einheitliche, verbindliche Rahmenbildungspläne, Standards für Ausstattung und Personalqualifikation, ein Kita- und Krippen-TÜV? Alles Fehlanzeige! Deutschland als Erfinder des Kindergartens hat den Anschluss verloren. Wie lange wir uns diese Kleinstaaterei mit 16 Rahmenbildungsplänen zu Lasten unserer Kinder und ihrer Zukunftschancen noch leisten können? Längst nicht mehr! Deutschland mangelt es eklatant an Bildungsgerechtigkeit. Statt über Kinderarmut wohlfeile Sonntagsreden zu halten, kommt es darauf an, die Bildungschancen jedes Kindes unabhängig vom Elternhaus zu sichern.
Noch immer können deutsche Erzieherinnen in keinem anderen europäischen Land arbeiten. Denn Deutschland leistet sich als einziges europäisches Land den Verzicht auf ein Hochschulstudium von Erzieherinnen. Andere Länder haben in den neunziger Jahren mit der Bildungsreform im frühkindlichen Bereich auch eine Ausbildungsreform eingeleitet, nicht so Deutschland. Statt die kindliche Entwicklung zwischen der Geburt und dem zwölften Lebensjahr als Einheit zu betrachten, zerstückeln wir den Bildungsgang - auch bei der Ausbildung des Personals. Wer mehr Männer für diesen Beruf begeistern möchte, was für ein ausgewogenes Rollenbild von Kindern wünschenswert wäre, muss die Qualifikation und damit auch die Vergütung verbessern.
Der Reformstau, der hier nur kurz umrissen werden kann, weil die gesellschaftlichen und politischen Interdependenzen komplex und stark verflochten sind, fordert zum Handeln heraus. Doch ein großer Reformwurf für frühe Bildung ist nirgends in Sicht. Die Träger haben kein Interesse daran, weil dies ihre Autonomie beschränken würde und auch die Politik tut nichts, wohl auch aus Angst vor den Kosten. Der Krippenausbau für unter Dreijährige geht im Schneckentempo voran und noch immer gleicht ein Krippenplatz fast einem Sechser im Lotto. Über Qualität der aufzubauenden Krippen spricht man in Deutschland bislang kaum. Auch das hat Gründe: Es gibt zumindest im Westen kein für diese Altersgruppe speziell qualifiziertes pädagogisches Fachpersonal. Über andere Standards von der Eingewöhnungsphase über die Raumausstattung und -gestaltung, Ernährung bis hin zu Bildungskonzepten für die Kinder, die in der Krippe nicht nur „verwahrt“ werden sollen, fehlt jede Verständigung.
Deshalb hat Daimler gut daran getan, bei den „sternchen“ von Anfang an konsequent auf Qualität zu setzen. Ablesen lässt sich dies an einem Qualitätshandbuch, das aktenordnerdick und fortlaufend aktualisiert sowohl den Aufbau, als auch den Betrieb und die pädagogischen Prozesse von A bis Z berücksichtigt und Standards setzt. Ein angemessener Personalschlüssel, permanente Fortbildungen für die Fachkräfte mit „sternchen"-eigenem Weiterqualifizierungsprogramm, Zweisprachigkeit, in der Einrichtung vor Ort frisch gekochtes Essen, Inklusion von Kindern mit Behinderung oder Entwicklungsverzögerungen, eine ausgewogene soziale Mischung von Kindern aus allen Teilen der Belegschaft, flexible familiengerechte Betreuungszeiten -all das ist bei den sternchen selbstverständlich.
 
 
Einfache Experimente helfen Kindern, die Welt zu begreifen.
Für einen Konzern, dessen Wertschöpfung auf Technologie basiert, bedeutet das auch: Kinder als Forscher und Entdecker ernst zu nehmen, ihnen beispielsweise auch im Bereich naturwissenschaftlicher Bildung von klein auf altersgemäße Angebote zu machen. Dazu gehört ein anregungsreiches Umfeld, denn Kinder erkunden und erforschen ihre Umwelt spielerisch von Geburt an: Sind die Dinge, die sie ertasten, weich oder hart, schmecken sie süß oder sauer, welche Geräusche machen sie? Bald stellen Kinder die Frage: „Warum?“.
Dieser Wissensdurst zeigt die Potenziale, die in jedem Kind stecken: Kinder wollen die Welt „be-greifen“ und brauchen dazu anschauliche, einfache Experimente, mit deren Hilfe sie den Wundern dieser Welt auf die Spur kommen können. Tempo und Vorgehensweise bestimmen die kleinen Forscher selbst. Aufgabe der Erwachsenen ist es, sie in ihrem Entdeckerdrang zu fördern, zu unterstützen und fortwährend anzuregen.
Kinder und ihre Familien brauchen einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert und eine öffentliche Lobby. Wir brauchen mehr Verantwortliche in der Wirtschaft, die das Engagement für Kinder und ihre Bildung genauso tatkräftig wie die Daimler AG umsetzen. Wenn diese Erkenntnis endlich auf allen Ebenen der Gesellschaft umgesetzt würde, wären wir einen Schritt weiter. Solange die Politik keinen „Marshallplan“ für frühe Bildung auflegt und diese adäquat, bundeseinheitlich finanziert, muss die Wirtschaft Vorreiter und Impulsgeber sein. Sonst verspielen wir weiter unsere Zukunftschancen. Wir brauchen eine bessere Bildungsinfrastruktur beginnend im Kita- und Krippenbereich, damit der Standort Deutschland eine Zukunft hat: Durch gute Bildung von Anfang an!
 
 
 
Schon die Kleinsten sind Forscher und Entdecker und wollen ernst genommen werden.
Daimler hat mit den „sternchen" sein Aufbauprogramm für den Bildungsstandort Deutschland begonnen. Möge es viele Nachahmer finden und letztlich auch die Politik zu schnellerem, entschlossenem Handeln bewegen. Kinder brauchen Wurzeln und Flügel, wusste schon Goethe. Kinder müssen kulturell aufgeschlossen und flexibel sein. Wir müssen sie vorbereiten auf eine globale Welt voller Umbrüche und ihnen durch Vertrauen und Geborgenheit Selbstwertgefühl und Stabilität vermitteln.
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